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Jochen König

Mama, Papa, Kind? von Singles, Co-Eltern und anderen Familien

Das Buch beginnt vor dem Kreissaal. Der Autor sitzt dort und wartet nervös auf die Geburt seiner Tochter, die er mit einer Frau ins Leben gerufen hat, die in lesbischer Partnerinnenschaft lebt....

 

 

Rezension Jochen König: Mama,? Papa, Kind, von Singles, Co-Eltern und anderen Familien, Freiburg 2015, Herder Verlag, €16,99, ISBN978-3-451-31274-8

Das Buch beginnt vor dem Kreissaal. Der Autor sitzt dort und wartet nervös auf die Geburt seiner Tochter, die er mit einer Frau ins Leben gerufen hat, die in lesbischer Partnerinnenschaft lebt. Alle drei wollen dem neuen Kind Co-Eltern sein. So anschaulich wie der Beginn bleibt das Buch. Es wird viel erzählt, aus dem Alltag mit der älteren Tochter Fritzi, für die er quasi (2/3) alleinerziehender Vater ist, von vielen Begegnungen mit Müttern und Vätern auf Spielplätzen, in der Kindertagesstätte, im Zug, …

In, mit und unter den Geschichten aus dem Alltag verschiedener Menschen weist der Autor hin auf die historische und gesellschaftliche Abhängigkeit von Familienbildern, auf die daraus folgende Veränderbarkeit und stellt fest: „Familie ist kein feststehendes Konzept, sondern immer nur im Kontext der Zeit, der jeweiligen gesellschaftlichen Trends und der wirtschaftlichen Ordnung zu verstehen.“ S24 Er postuliert eine Gesellschaft, in der es die Freiheit gibt, individuell glücklich zu werden und in der gleichzeitig das Zusammenleben unter Wahrung der Rechte und Grenzen aller funktioniert. Vgl S.30

Mit Zahlen belegt er die Zunahme anderer Familienkonstruktionen und Formen als die von Politik unterstützte Vater-Mutter-Kind-Familie. Alle verschiedenen Familienstrukturen unterlegt er mit Erzählungen von Menschen, die diese Form leben. Ihre Erfahrungen, Erfolge, Hindernisse, Scheitern, Freuden veranschaulichen die Entwicklung familialer Vielfalt der letzten Jahrzehnte.

Er fordert, dass Familienpolitik auf die unterschiedlichen Möglichkeiten, Familie zu leben, eingehen und sich entsprechend verändern muss. Ebenso muss Caretätigkeit (Fürsorgearbeit)  bei angemessener Entlohnung in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft anerkannt werden. Dabei müssen alle Geschlechter gleichermaßen im Blick sein. Kinder sollen vielfältige Rollenverständnisse kennenlernen, damit sie das für sich passende finden und die Veränderung nicht nur theoretisch beschrieben, sondern auch praktisch gelebt werden kann.

Der Autor möchte mit seinem Buch erreichen, „mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich die Familienmodelle und –konstellationen um einen herum vorurteilsfrei und interessiert anzuschauen.“S.203

Die vielen Berichte von unterschiedlichen familialen Mustern bieten eine gute Basis zur Auseinandersetzung mit den Bindungserfahrungen, -vorstellungen und – ängsten junger Menschen, mit Hoffnungen und neuen Wegen. Ein leicht zu lesendes, zu Diskussionen führendes aktuelles Buch.

Margit Baumgarten

 

VerlagHerder Verlag

ISBN978-3-451-31274-8