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Armin Castello

Positives Elternhandeln, Pädagogik im familiären Alltag

Ein Buch in dieser Aufmachung aus dem Kohlhammer Verlag zur Pädagogik im familiären Alltag lässt keinen Elternratgeber erwarten, wie sie zu Hauf in den Regalen der Buchhandlungen stehen...

 

 

Rezension zu Armin Castello: Positives Elternhandeln, Pädagogik im familiären Alltag

Ein Buch in dieser Aufmachung aus dem Kohlhammer Verlag zur Pädagogik im familiären Alltag lässt keinen Elternratgeber erwarten, wie sie zu Hauf in den Regalen der Buchhandlungen stehen, sondern eher ein Fachbuch für pädagogisch Arbeitende. Tatsächlich ist es beides, wobei der Autor selbst den Schwerpunkt auf den Ratgeber legt. Eltern die sich in pädagogischen Kontexten weiterbilden sind die Zielgruppe für das Buch, und ebenfalls werden die als Zielgruppe benannt, die in Beratung und Begleitung von Eltern und Familien arbeiten (vgl S11).

Castello möchte mit dem Band erreichen, dass deutlich wird, worin die Verantwortung von Eltern besteht. Eltern sollen mit Hilfe der Publikation konzentriert einen Überblick gewinnen, welches eigene Handeln die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen kann. Dazu gibt es Hinweise zu konstruktiven Veränderungsmöglichkeiten u.a. anhand von Fallbeispielen und  Wege, wie diese umgesetzt werden können.

Mein Fazit vorweg, das Buch ist eine konzentrierte, die wesentlichen Fakten benennende gute Zusammenfassung  der Erfordernisse für ein gelingendes Hineinwachsen der Kinder in die Welt, die sie umgibt. Die Sprache ist für bildungsnahe Milieus und für durch Ausbildung mit ihr vertraute Menschen gut verständlich. Es ist schnell lesbar und lädt mit Fallbeispielen ein, über eigene Erfahrungen nachzudenken. Eltern, die sich mit solchen und ähnlichen Themen wenig befassen, werden das Buch nicht lesen, sie brauchen die Vermittlung der Inhalte durch Fachkräfte. Pädagog*innen werden keine Neuigkeiten vermittelt, aber als Zusammenfassung ist der Band zur Vorbereitung für Kurse in Familienbildungsarbeit hilfreich und als Lektüre für einige Eltern sicher interessant und weiterführend.

Kurzer Überblick:

Im ersten Kapitel wird die kindliche Entwicklung als eine stetige Anpassungsleistung an vorhandene Verhältnisse beschrieben, was für das Überleben unbedingt nötig ist. Jedes Kind wird sich aus Mangel an Alternativen mit dem arrangieren, was es vorfindet, liebevolle oder vernachlässigende Bezugspersonen – Kinder bewerten nicht, sie können nicht unterscheiden, sie haben die Eltern, die sie haben und auf die lassen sie sich mit ganzem Herzen ein. Jesper Juul spricht zu dem Thema von selbstverständlicher, alternativloser Kooperation der Kinder mit den Eltern.

 

Thema des 2. Kapitels ist die Bindung zwischen Eltern und Kind als grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung von Selbstwirksamkeit. Am Beispiel einer Mutter, die die Signale ihres Kindes nicht adäquat deuten kann, wird Achtsamkeit und Eigenreflektion erläutert. Bindungstypen werden beschrieben, sichere Bindung als Schutzfaktor ausgeführt, positives Bindungsverhalten der Eltern geschildert und Beeinträchtigungen benannt.

In Kapitel 3 geht es um die Erziehung und die dadurch gewährleistete erfolgreiche Anpassung der Kinder an die soziale Umwelt (vgl. S.29). Castello beschreibt verschieden Erziehungsstile und macht sich für den autoritativen Stil stark. „Autoritativ erziehende Eltern entwickeln eine Balance zwischen Anpassung an die Umwelterwartungen (Gesellschaft, Schule und Familie) und einer Anerkennung der Bedürfnisse des Kindes.“ (S.32) Es folgt ein Katalog von Aussagen, die autoritativ erziehende Eltern bejahen würden. Ebenso die anderen Erziehungsstile werden mit typischen Sätzen erläutert.

Das 4. Kapitel beschreibt die Bedeutung und den unterschiedlichen Umgang mit Emotionen, begleitet durch Fallbeispiele. Emotionen sind bedingungslos anzunehmen, als authentische Äußerungen nicht zu bewerten, sondern einfühlsam und unterstützend zu begleiten. „Die Wahrnehmung und Äußerung von Gefühlen hat regulierende Wirkung“(S.49).

Kapitel 5 beschäftigt sich mit realistischem Denken. Im Einstiegsbeispiel zeigt sich der Zusammenhang zwischen Emotionen und Denken. Emotionen beeinflussen Denken indem sie zu unterschiedlichen Bewertungen führen können. Daraus kann sich negativ verzerrendes Denken genauso wie positiv zugewandtes Denken entwickeln. In Beispielen wird entfaltet, wie sich realistisches Denken unterstützen lässt und damit zu einer Ressource werden kann, z.B durch Anerkennen von Emotionen, durch Nachfragen und klären, durch rational begründete feedbacks (vgl. S.64ff).

Die Unterstützung angemessenen Sozialverhaltens wird im nächsten, dem 6. Kapitel beschrieben. Immer auf dem Hintergrund des autoritativen Erziehungsstils, der wertschätzt, Grenzen fordert und einsetzt und Eigenständigkeit gewährt, ist auch hier klar, wer die Normen setzt und in welchem Rahmen Kinder sich bewegen sollen. Natürlich muss deutlich sein, wer die Verantwortung im Begleiten von Kindern trägt, nämlich die Erwachsenen, aber eine Neugier auf die spezielle Art des jeweiligen Kindes und ein nicht durch Normen und Erwartungen – seien sie offen oder heimlich - besetzter Freiraum für Verhaltensentwicklung wird durch den autoritativen Stil nicht unbedingt gefördert.

­­­­­­­– eine Kurzrezension von Margit Baumgarten, Fachstelle Familien der Nordkirche

ISBN978-3-17-035256-8
ReihePraxiswissen Erziehung
VerlagKohlhammer

Taschenbuch 25,00€

eBook ab 22,99€